> Test: Dethleffs Globetrail 540 DR

Dethleffs Globetrail 540 DR: Kompakter mit Klasse

13.03.2025
Bild & Text: Daniel Schlicke

Ein Raumbad soll’s richten: Im kompakten Dethleffs Globetrail 540 DR setzt der Hersteller bei der Nasszelle an. Für wen passt der Grundriss?

Es dauerte 90 Jahre, bis Dethleffs endlich einen eigenen Kastenwagen präsentierte, doch dann ging es Schlag auf Schlag: In nur zwei Jahren wuchs das Portfolio auf elf Grundrisse, allein das Badezimmer wurde zwischenzeitlich in fünf verschiedenen Varianten angeboten. Und auch ein Aufstelldach – das hatten wir damals für den „Freund der Familie“ moniert – bot die Optionsliste bald. Für 2025 wurde diese Modellvielfalt minimal ausgedünnt, doch das gilt hauptsächlich für die Basisfahrzeuge: Der Globetrail 590 C auf Ford Transit entfällt, und weil Stellantis den Citroën Jumper auf das Niveau des Ducatos hebt, wurde noch ein wenig umstrukturiert.

Das Beispiel Dethleffs zeigt ganz gut, dass die Modellpflege für den Fiat Ducato und die nahezu baugleichen Schwestermodelle aus Sevel nicht nur glücklich ausfiel für die Wohnmobilhersteller. Schließlich konnten diese zuvor auf einen besser ausgestatteten Ducato zurückgreifen, und gleichzeitig besonders preisgünstige Einsteigermodelle auf den etwas einfacher ausgestatteten Fahrzeugen von Citroën oder Peugeot anbieten. Bei Dethleffs war der hier getestete 540er Globetrail auf Jumper ab 55.999 Euro zu haben, auf Ducato waren es 1.000 Euro mehr. Mit dem Facelift sind es mindestens 58.999 Euro – egal ob auf Citroën oder Fiat und jeweils mit verbesserter Serienausstattung.

Der kompakte Dethleffs Globetrail 540 DR bietet in allen Bereichen etwas mehr Platz als ein 540er mit Standard-Grundriss, jedoch nicht ohne Kompromisse.

Welche Basis man wählt, macht wie beschrieben kaum mehr einen Unterschied. Motoren, Getriebe, das Cockpit und die Assistenzsysteme: alles gleich. Näheres dazu führt Kollege Piontek in seiner Übersicht Neue Basisfahrzeuge auf. Dass unser Testwagen noch mit der weniger aerodynamischen Vor-Facelift-Front daherkommt, liegt daran, dass wir in einem Fahrzeug aus dem Modelljahr 2024 unterwegs sind. Der Ausbau jedoch wurde ohne Änderungen in die neue Modellsaison übernommen.

Und der bleibt auf unserer Testrunde nicht ganz unauffällig: Es ist etwas lauter als in vergleichbaren Fahrzeugen, was einerseits an den Abrollgeräuschen der AT-Bereifung liegt. Die grobstolligen Loder-Pneus stehen dem Fotofahrzeug fraglos sehr gut, doch allein die Optik wäre es uns nicht wert. Teilweise steckt aber auch das Mobiliar gröbere Fahrbahn-Unebenheiten nicht ganz klapperfrei weg. Zugegeben, Stuttgarts Straßen liefern denkbar schlechte Testbedingungen, doch bei einem Campervan mit alltagstauglichen Abmessungen ist das doch erwähnenswert.

Durch das schlanke Raumbad wirkt selbst der kompakte 540er-Grundriss nicht gedrückt.
Die Stehhöhe ist im Küchenbereich wegen des Einlegebodens mit 183 Zentimetern etwas eingeschränkt.

Die Zentralverriegelung der Küchenschubladen ist eigentlich komfortabl, aber schwer einstellbar. Eine der Schubladen im Testwagen wollte sich nicht verriegeln lassen, und das, obwohl wir versucht haben, nachzujustieren – da sind einfache Push-Locks um einiges umgänglicher. Aber die Haptik der grifflosen Schubladen ist schon klasse. Und sie sorgen für ein cleanes Möbeldesign, das Dethleffs durch entsprechende Möbelschlösser ruhig auch an den Oberschränken hätte fortführen können. Wer es moderner mag, dem sei die alternative, aufpreisfreie Wohnwelt „Scandi“ mit anthrazitfarbenen Möbelkorpussen, weißen Klappen und grauen Polsterstoffen empfohlen. Damit wirkt das Globetrail-Interieur außerdem um einiges heller. Im Testwagen – das Interieur heißt „Kos“ – ist es umso gemütlicher. Gerade ausreichend natürliches Licht fällt durch die gewissenhaft verbauten Rahmenfenster (teils optional) und durch die Midi-Heki-Dachluke im Aufstelldach. Den Rest regelt das gemütliche Beleuchtungskonzept mit Deckenspots, Ambientelicht und verschiebbaren Leseleuchten, die in umlaufenden 12-Volt-Schienen eingesetzt werden können.

 

Dank ausdrehbarer Tischerweiterung hätten drei Personen Platz – zu viert wird’s eng.

Der vordere Wohnbereich ist verhältnismäßig großzügig dimensioniert. Der Mittelgang beispielsweise misst mindestens 48 Zentimeter, der Tisch an der Sitzgruppe ist 84 mal 45 Zentimeter groß. Und er lässt sich dank einer drehbaren Zusatzplatte, die im Komfort-Paket inkludiert ist, um 36 Zentimeter erweitern. Nicht schlecht für einen 540er. Einzig die Breite der Doppelbank in zweiter Reihe (84 Zentimeter) ist etwas knapp. Konsequenterweise entscheidet sich Dethleffs, anders als in den längeren Globetrails, deshalb auch gegen eine Isofix- Halterung. Eine Person sitzt auf der Bank aber durchaus bequem. Die Gas-Standheizung wandert unter das Bett im Heck, die Sitztruhe der Doppelbank bleibt als gut erreichbarer, großzügiger Stauraum nutzbar. Auch am Dachstauschrank über dem Fahrerhaus hält Dethleffs fest – hier vorn steckt der Globetrail 540 also ganz schön was weg.

Der 84-Liter-Kühlschrank ist stirnseitig eingebaut und von innen wie außen bequem zugänglich.

Die bereits erwähnten Schubladen am Küchenblock bieten viel Platz, die oberste ist mit einem passenden Besteckeinsatz versehen. Zum Schnibbeln bleiben 39 mal 49 Zentimeter Arbeitsfläche, zum Kochen steht ein Kombigerät von CAN zur Verfügung. Dessen Spüle (26 mal 28 Zentimeter) mit integriertem Einhandmischer ist nicht das Problem – nur finden auf dem 29 mal 30 Zentimeter großen Rost keine zwei Töpfe in vernünftiger Größe Platz. Immerhin ist der Kocher mit einer elektrischen Zündung ausgestattet, aber 19 Zentimeter Abstand zwischen den beiden Flammen ist schlicht zu wenig. Dass am Kühlschrank von Thetford der beidseitige Türanschlag fehlt, den das Konkurrenzmodell von Dometic bietet, würde uns nicht stören: Die Tür öffnet weit genug, um den Kühlschrank bequem auch von außen beladen oder um sich am Inhalt bedienen zu können. Zudem arbeitet er angenehm leise, und die Bedienung über das überarbeitete, dezentrale Bedienteil über der Spüle (nun haptische Tasten statt Touch) klappt intuitiv.

Mitgedacht: Dethleffs Globetrail 540 DR hat seitlich höhere Schiebefenster, sodass die volle Liegelänge nutzbar bleibt. Die Heckfenster werden durch ein Meshgewebe geschützt. 135 Zentimeter im Schulterbereich sind knapp für zwei.

Für das Querbett im Heck bleiben 120 bis 135 Zentimeter. Die Liegefläche ist also gerade noch breit genug für zwei. Ganz praktisch an der eher schmalen Koje ist tatsächlich, dass die Klamotten in den umlaufenden Dachstauschränke erreichbar sind, ohne dass man jedes Mal aufs Bett steigen muss. Und weil die seitlichen Schiebefenster höher angebracht sind als das Bett, sind die vollen 195 Zentimeter Liegelänge nutzbar. Gleichzeitig werden die Verdunkelungsplissees an den Hecktüren durch ein Meshgewebe geschützt. Weniger praktisch: Die offene Ablage, eigentlich perfekt fürs Smartphone, ist auf der Fahrerseite, die USB-Steckdose aber gegenüber angebracht. Aber ein Bett ist ja auch zum Schlafen gedacht und da gibt’s volle Punktzahl: Die zehn Zentimeter starke Matratze, die mittig auf einem klappbaren Lattenrost aufliegt, ist super bequem. Dethleffs denkt sogar an ein Abstandsgewirk zur Hinterlüftung, das an der Unterseite der Matratzen direkt in den Bezug eingenäht wurde.

Auch Seitenschläfer liegen bequem im Dachbett. Der Zeltbalg lässt sich besonders großzügig öffnen. Und er fällt zuverlässig nach innen, wenn das Dach wieder geschlossen wird.

Dass das Aufstelldach mit einer Dachluke ausgestattet ist, ist nicht selbstverständlich. Und obwohl man sich den Komfort mit minimalen Windgeräuschen erkauft, würden wir es genau so wählen. Dethleffs kann hier auf den Zulieferer Parat zurückgreifen, denn beide Marken gehören zur Erwin Hymer Group. Und das Dach weiß zu begeistern: durch elektrische Verschlüsse, die ergonomisch und ohne Kraftaufwand öffnen und mit einem sanften Ruck wieder schließen. Durch einen Zeltbalg mit riesiger Fliegengitter-Frontöffnung. Und durch ein großes Bett, das dank Gfk-Lattenrost sehr bequem ausfällt.

Die Matratze ist mit sechs Zentimetern tatsächlich ausreichend stark dimensioniert, und dünne Schlafsäcke können im geschlossenen Aufstelldach liegen bleiben. Zur Ausstattung gehören auch eine 12-Volt-Buchse, eine Schwanenhalslampe mit USB-A-Steckdose, und die im aufwendigen LFI-Verfahren hergestellte Dachschale ist serienmäßig schwarz lackiert. Wenn es also überhaupt etwas zu bemängeln gibt, dann wären es die zusätzlichen Gurtverschlüsse, die nach oben, also Richtung Dachschale, straffgezogen werden wollen – dabei müssten sie nur andersherum verbaut werden, denn nach unten ist ewig viel Platz. 189 Zentimeter Stehhöhe um konkret zu sein.

Der Gfk-Lattenrost ermöglicht bequemes Liegen auch für Seitenschläfer.

Bleibt noch das Raumbad, das lediglich 72 Zentimeter der Fahrzeuginnenlänge beansprucht und die großzügige Sitzgruppe oder den breiten Mittelgang überhaupt erst möglich macht. Ein Raumbad ist immer eine Glaubensfrage. Seine Fans sehen in der Lamellenschiebetür, die die Nasszelle um den Mittelgang erweitert, auch einen praktischen Raumteiler. Das bedeutet jedoch, dass Mittelgang und Küchenschubladen blockiert sind, wenn das Bad besetzt ist. Auch an die knapp fünf Zentimeter hohe Stufe muss man sich gewöhnen – mit Einlegeboden sinkt die Stehhöhe auf 183 Zenti- meter. Andererseits: Kaum eine andere Nasszelle am 540er-Markt bietet ähnliche Platzverhältnisse – auf der Drehtoilette und auch beim Duschen. Serienmäßig sind ein Fenster, ein kleiner Spiegel und Kleiderhaken an Bord.

Das Angebot an Stauraum und Ablageflächen ist zwar nicht üppig, fällt aber nicht geringer aus als in vergleichbaren Festbädern. Die Raumbad-Lösung ist also nicht nur für Gelegenheitsduscher gedacht, die sonst lieber die Sanitäranlagen auf dem Campingplatz nutzen. Gerade im 540er generiert es viel Platz. Einzig zum Zähneputzen und um sich mal das Gesicht zu waschen, hat sich die Spüle der Küche für uns als praktischere Lösung herauskristallisiert: Es geht einfach schneller, ohne jedes Mal eine Schiebetür schieben zu müssen, und das schwenkbare Waschbecken im Bad ist doch sehr klein geraten. Zudem sollten sich Warmduscher sorgfältig um die Luftfeuchtigkeit kümmern: das Aufstelldach verhindert eine Entlüftung übers Dach.

Nachteil Raumbad: Bei Benutzung sind die Küche und der Durchgang ins Heck blockiert. Vorteile sind vor allem das Platzangebot im WC- und im separaten Duschbereich. Spritzwasser ist für die Materialien kein Problem.

Infobox

Technische Daten

Basisfahrzeug: Fiat Ducato Light, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 2.184 cm³, Leistung 103 kW (140 PS) bei 3.500/min, max. Drehmoment 350 Nm bei 1.400-2.500/min, Sechsgang-Handschaltgetriebe, Vorderradantrieb, Euro 6d.
Maße und Massen: (L x B x H) 541 x 205 x 265 cm; Radstand 345 cm; Masse fahrbereit 2.938 kg (Herstellerangabe); zul. Gesamtmasse 3.500 kg
Aufbau und Ausbau: Selbsttragende Stahlblechkarosserie (L2H2) mit Aufstelldach, Einzelradaufhängung mit McPherson-Federbeinen vorn, Starrachse an Längsblattfedern hinten; Stehhöhe 189 cm (Bad 186 cm); geräusch- und wärmedämmende Isolierung in Dach (15 mm PE plus 15 mm XPS), Boden (15 mm XPS) und Wänden (10–20 mm PE); isolierte Alu- Rahmenfenster; Sperrholz-Möbelbau mit Soft-Close und soliden Scharnieren.
Betten: Heck-Querbett 195 x 120-135 cm, Aufstelldach 210 x 142 cm
Füllmengen: Frisch-/Abwasser 100 l innenliegend/90 l unterflur; Thetford-Kühlschrank 84 l Kompressor; Gas 2 x 11 kg; Diesel 90 l; AdBlue 19 l

Serienausstattung (Auszug): Lederlenkrad, Fahrerhaus-Klimaanlage, Tempomat, elektr. Parkbremse, Fahrerhaus-Verdunkelungsjalousien, Schiebetür mit elektr. Zuziehhilfe, Fliegengittertür, Raumbad mit Fenster, separater Armatur und Schwenkwaschbecken, Küchenschubladen mit Zentralverriegelung, Truma Combi 4 Gasstandheizung mit CP Plus-Bedienteil, Aufbaubatterie (AGM, 95 Ah)
Sonderausstattung (Auszug, MJ25): Lackierung in Lanzarote Grau 799 €, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen 1.769 €, Aufstelldach 5.999 €, Komfort-Paket u. a. mit Markise 2.799 €, Multimediapaket inkl. Naviceiver und Rückfahrkamera 1.619 €, Verzurrschienen in Heckgarage 299 €
Testverbrauch: 9,6 l/100 km
Grundpreis: 58.999 € Testwagen: 70.554 €

Weitere Infos: www.dethleffs.de

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