> Sprit sparen: Die besten Tipps für weniger Verbrauch zum Geld sparen

Spritsparend fahren, Geld sparen: Die besten Tipps

01.04.2025
Bild & Text: Karsten Kaufmann

Viele kleine Faktoren erhöhen den Spritverbrauch. Mit cleveren Tipps & Tricks kann man Geld sparen und sogar die Fahrsicherheit erhöhen. Am Ende freuen sich Reisekasse und Umwelt.

„Du musst ihn schon härter ans Gas nehmen.“ Vielleicht erinnerst auch du dich noch an diesen oder ähnliche Sprüche deines Fahrlehrers? Der Rat war damals, vor etlichen Jahren, gut gemeint. Ohne Drehzahl kam der gute, alte turbolose Benziner wirklich nicht auf Touren – und war tatsächlich in einem untertourigen, spritfressenden Drehzahlbereich unterwegs.

Das sieht heute ganz anders aus. Zwar sind die Motoren zwischenzeitlich wieder geschrumpft, aber dank moderner Steuerelektronik, Turbotechnik und etlicher technischen Finessen auch untertourig erstaunlich leistungsfähig. Das gilt im Besonderen für große Fahrzeuge. Und in dieser Erkenntnis schlummert immenses Sparpotenzial für Camper.

Sprit sparen mit dem Campervan

Lass uns also über spritsparendes und somit auch nachhaltiges Reisen sprechen. Fuhrparkmanager etlicher Lkw-Flotten ermahnen ihre Fahrer eindringlich zum Spritsparen.

Der stets übereinstimmende Tipp: frühes Hoch- und spätes Herunterschalten. Ergo: mit geringer Drehzahl unterwegs sein. Lässt sich der Tipp auf Campervans übertragen?

Diese Frage haben wir Motorenexperte Markus Gruse von Offroad-Motorhomes gestellt. Er kennt sich mit Programmierung und Wartung von Motoren bestens aus, bietet einen weltweiten Diagnose- und Ersatzteilservice für Camper und Weltreisende an. Seine Antworten liest du im nachstehenden Interview.

Vergleichsfahrt über 2.000 km: satte 1,5 Liter auf 100 km eingespart!
Foto: Kaufmann

Ersparnis von 50 Euro durch spritsparendes Fahren

Seine Tipps hat das Team von CamperVans durch weitere ergänzt. Immerhin 16 Punkte, Empfehlungen zum Spritsparen, sind zusammengekommen. Im Sommer 2024 haben wir diese auf einer 4.500 Kilometer langen Reise durch Italien auf ihre Brauchbarkeit untersucht.

Zwischen „normaler“ Fahrweise und einer Fahrweise, die sich (weitestgehend) an den Tipps orientiert, lagen beim 140-PS-Ducato erstaunliche 1,5 Liter Spritersparnis. Das waren auf die über 2.000 Spar-Kilometer doch attraktive 50 Euro, rund 100 Euro wären es gewesen, wenn wir die ganz Tour „angepasst“ gefahren wären.

Systeme, die den Luftdruck pro Reifen anzeigen, sind relativ unproblematisch nachzurüsten. Interne Sensoren werden bei der Reifenmontage eingesetzt.
Foto: Schrader

Die Machbarkeit in der Praxis

Fühlte es sich wie eine lästige Einschränkung an? Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Die spritsparende Fahrweise läutet einen ganz besonders ruhigen Fahrmodus ein, fordert aber ebenso viel Aufmerksamkeit. Einzig auf der Heimreise, wenn Familie und lästige Termine eine ungeheure Anziehungskraft entwickeln, juckt der Gasfuß doch wieder verstärkt. Dann heißt es, standhaft bleiben und das Fahrzeug eben nicht „etwas härter ans Gas nehmen“.

Hohe Geschwindigkeiten, Dachträger und AT-Reifen – viele kleine Faktoren erhöhen den Spritverbrauch. Mit den folgenden Tipps lässt sich einiges sparen:
Foto: Stellantis

Sprit sparen: Die besten Tipps im Überblick

Es sind etliche Kleinigkeiten, die sich zu einem höchst effektiven Spritsparplan ergänzen. Am Ende danken es Geldbeutel und Umwelt. Und so ganz nebenbei sorgt die wirtschaftliche Fahrweise nicht nur dafür, dass du etliche Liter Sprit, sondern auch für Verschleißteile Geld sparst. Das Geld lässt sich wirklich sinnvoller für ein leckeres Abendessen am Urlaubsort investieren.

  1. Unnötigen Ballast über Bord werfen – das Gewicht des Campervans reduzieren.

    Unnötigen Ballast über Bord werfen – das Gewicht des Campervans reduzieren.

  2. Flott nach dem Motorstart losfahren. Kein unnötiges Warmlaufen lassen des Motors.

    Flott nach dem Motorstart losfahren. Kein unnötiges Warmlaufen lassen des Motors.

  3. Geschlossene Fenster reduzieren den Luftwiderstand des Campers, was Sprit spart.

    Geschlossene Fenster reduzieren den Luftwiderstand des Campers, was Sprit spart.

  4. Wenn der Motor Betriebstemperatur erreicht hat: Früh hoch-, spät runterschalten.

    Wenn der Motor Betriebstemperatur erreicht hat: Früh hoch-, spät runterschalten.

  5. Den Fahrmodus "Eco" benutzen, wenn das Fahrzeug einen solchen besitzt.

    Den Fahrmodus „Eco“ benutzen, wenn das Fahrzeug einen solchen besitzt.

  6. Stets vorausschauend fahren, um unnötige Bremsmanöver und spritschluckende Beschleunigungen zu vermeiden.

    Stets vorausschauend fahren, um unnötige Bremsmanöver und spritschluckende Beschleunigungen zu vermeiden.

  7. … ergo: Mit möglichst konstanter Geschwindigkeit fahren …

    … ergo: Mit möglichst konstanter Geschwindigkeit fahren …

  8. … und/oder auf Langstrecke den Tempomat benutzen.

    … und/oder auf Langstrecke den Tempomat benutzen.

  9. Extrem effektiv: Eine reduzierte Reisegeschwindigkeit senkt den Verbrauch enorm.

    Extrem effektiv: Eine reduzierte Reisegeschwindigkeit senkt den Verbrauch enorm.

  10. Beim Bergabfahren die Motorbremse nutzen, und beim Schaltgetriebe keinesfalls die Kupplung treten.

    Beim Bergabfahren die Motorbremse nutzen, und beim Schaltgetriebe keinesfalls die Kupplung treten.

  11. Stets den optimalen Reifendruck wählen. Tipp: Ein Reifendruckkontrollsystem mit Display und Warnstufen  nachrüsten.

    Stets den optimalen Reifendruck wählen. Tipp: Ein Reifendruckkontrollsystem mit Display und Warnstufen  nachrüsten.

  12. Luftwiderstand klein halten: Nur wirklich nötiges Zubehör auf dem Dach montieren.

    Luftwiderstand klein halten: Nur wirklich nötiges Zubehör auf dem Dach montieren.

  13. Verwirbelungen minimieren: Heckträger demontieren, wenn man ihn nicht benötigt.

    Verwirbelungen minimieren: Heckträger demontieren, wenn man ihn nicht benötigt.

  14. Unnötige Verbraucher ausschalten, wenn nicht mehr benötigt (Klima, Sitzheizung, Gebläse, Zusatzscheinwerfer).

    Unnötige Verbraucher ausschalten, wenn nicht mehr benötigt (Klima, Sitzheizung, Gebläse, Zusatzscheinwerfer).

  15. Motor aus bei Stillstand: Schon nach 10 Sekunden hat der „Leerlauf“ mehr Sprit verbraucht, als ein nötiger Neustart.

    Motor aus bei Stillstand: Schon nach 10 Sekunden hat der „Leerlauf“ mehr Sprit verbraucht, als ein nötiger Neustart.

  16. Last, but not least: Gut gewartete Fahrzeuge, die mit neuen Filtern (Luft/Diesel) und hochwertigen Leichtlaufölen unterwegs sind, verbrauchen weniger Sprit – und sie bleiben außerdem seltener liegen.

    Last, but not least: Gut gewartete Fahrzeuge, die mit neuen Filtern (Luft/Diesel) und hochwertigen Leichtlaufölen unterwegs sind, verbrauchen weniger Sprit – und sie bleiben außerdem seltener liegen.

Interview mit Markus Gruse: „Ein hoher Gang spart Sprit“

Das Team rund um Markus Gruse ist spezialisiert auf die Anpassung und Fernwartung von (Fern-)Reisemobilen. Unter anderem bietet Offroad-Motorhomes Beratungen für die Reiseplanung, Softwareanpassungen und Ferndiagnosen sowie einen weltweiten Express-Ersatzteilversand an. Offroad-Motorhomes hat in der Nähe von Groß-Gerau und in der Schweiz einen Standort.

Infos unter www.offroad-motorhomes.services

Markus Gruse, Geschäftsführer O-M.Services | offroad-motorhomes
Foto: Markus Gruse

Spritverbrauch beim (Fern-)Reisemobil – welchen Faktor würden Sie als größten Sprittreiber notieren?

Markus Gruse: Viele Leute beschweren sich über höheren Verbrauch durch Abgasrückführung oder Dieselpartikelfilter. Sicher spielen auch diese Faktoren eine Rolle, aber andere tragen viel wesentlicher dazu bei. Ein zu geringer Reifendruck auf Asphaltstraßen zum Beispiel. Der Reifendruck muss stimmen. Während die meisten Lkw bei 89 km/h abriegeln, fahren Campervans wesentlich schneller. Während der Rollwiderstand der Reifen gleichmäßig zur Geschwindigkeit steigt, sieht das beim Luftwiderstand ganz anders aus. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit ist dieser deutlich höher als der Rollwiderstand und steigt zudem exponentiell massiv an.

Der Faktor Geschwindigkeit…

Markus Gruse: …ist gewaltig. Eine Verdopplung der Geschwindigkeit ergibt einen circa vier Mal höheren Kraftstoffverbrauch. Das ist Physik. Nun ist es unwahrscheinlich, dass wir mit dem Camper von 85 auf 170 beschleunigen, aber schon 10 km/h weniger oder mehr sind entscheidend.

Ein paar Takte zur Wahl der Reifen. Aktuell geht selbst bei „normalen“ Campervans der Trend zu AT-Reifen.

Markus Gruse: AT-Reifen sind tatsächlich angesagt, aber die weichere Mischung und das grobstollige Profil mit höherem Rollwiderstand machen sich negativ im Spritverbrauch bemerkbar. Für viele Fahrzeuge wären gute Campingreifen mit hoher Traglast die bessere Wahl. Aber tatsächlich muss man schon sagen: AT-Reifen, egal ob der BF Goodrich oder der Michelin XZL – sehen einfach gut aus.

Sprechen wir über intelligentes Schalten. Fuhrparkmanager raten Lkw- Fahrern zu niedriger Drehzahl durch höhere Gänge. Können sich Camper das abschauen?

Markus Gruse: Das macht durchaus Sinn. Man kann moderne Motoren sehr untertourig fahren und dabei Sprit sparen. Insbesondere auf langen Autobahnetappen muss man nicht an jedem Berg zurückschalten, nur weil die Drehzahl absackt. Solange der Motor nicht ruckelt, ist alles im grünen Bereich. Im Automatikbetrieb ist das in der Regel durch entsprechende Programme automatisch geregelt. Betrachtet man allerdings nicht nur den Verbrauch, sondern auch den Partikelfilter, ist das nicht immer sinnvoll. Das Abgassystem braucht eine gewisse Drehzahl beziehungsweise Temperatur, um beispielsweise einen Freibrennvorgang einleiten zu können. Auch in diesem Punkt gilt: Alles im grünen Bereich, wenn der Motor Betriebstemperatur hat.

Thema Geschwindigkeitswechsel als Verbrauchstreiber.

Markus Gruse: Eine vorausschauende Fahrweise garantiert nicht nur ein entspanntes Fahren, sondern sorgt auch für einen akzeptablen Spritverbrauch. Ganz simpel: Jede Beschleunigung erhöht den Verbrauch – auf ein Jahr betrachtet kommen da immense Kosten zusammen.

Fahren mit Tempomat macht Sinn?

Markus Gruse: Keine Frage, absolut. Und sorgt ebenfalls für stressfreies Reisen.

Und Rollphasen im Schubmodus?

Markus Gruse: Gerade neue Fahrzeuge spritzen keinen Kraftstoff im Rollbetrieb ein, um den Kraftstoffverbrauch zu senken. Beim Heranfahren an Kreuzungen, Ampeln oder Abfahrten gilt: Frühzeitig Fuß vom Gas, Gang aber drin lassen.

Legale Motoroptimierung?

Markus Gruse: Schwierig. Eine gute Motoroptimierung, also eine Programmierung aller wichtiger Kennfelder unter Berücksichtigung beispielsweise der Einspritzmenge, Einspritzzeit, Lambdawerte kann sehr gut funktionieren. Der Motor kann seine Kraft unter Umständen besser entfalten und ist kräftiger bei gleicher Drehzahl. Folglich muss man nicht so früh zurückschalten und kann etwas Sprit sparen.

Und warum schwierig?

Markus Gruse: Weil viele in der „Tuningbranche“ genau das behaupten, ihnen aber das nötige Know-how fehlt. Dann drohen Motorschäden. Wer aber das Handwerk beherrscht und seine Arbeit auch mal auf dem Prüfstand abstimmt, kann hier durchaus gute Erfolge erzielen.

Das ist dann legal?

Markus Gruse: Nein. Es sei denn, man lässt das Ganze eintragen, was heute fast unmöglich ist, da meist Abgasgutachten vorgelegt werden müssen. Es gibt am Markt auch sogenannte Tuning-Boxen. Sie gibt es auch mit Teilegutachten. Davor raten Motorexperten aber – insbesondere mit Blick auf Fernreisen – ganz klar ab. In Verbindung mit schlechtem Diesel und geringem Sauerstoffgehalt in größerer Höhe machen solche Boxen oft nur eines: Sie verkürzen die Lebensdauer des Motors. Das Mehr an Leistung ist es wirklich nicht wert.

Zubehör auf dem Dach, Sat-Anlagen, Dachhauben ohne Spoiler.

Markus Gruse: Weniger wäre hier mehr – denn alle Verwirbelungen erhöhen den Spritverbrauch. Mit Blick auf eine eingangs gestellte Frage: Bei vielen Dachaufbauten lohnt es doppelt den Fuß etwas entspannter aufs Gaspedal zu legen.

Herr Gruse, wir bedanken uns für das Gespräch.

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02/2025
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